Das "Stallorchester" und die Verbindung Suevia. Geschichte der Gründung und studentischer Corpsgeist

Dipl-Ing. (FH) Karl Mündel (1)

Vorbemerkung
Bereits 1958 traf sich ein kleiner Kreis Bundesbrüder meiner studentischen Verbindung SUEVIA sporadisch zum Musizieren. So z. B. Hans Flatter aus Aalen, Geiger wie ich, mit dem ich ein paar Mal bei der SUEVIA Musikstücke vorgetragen habe, oder mit Roland Scheu. Und dann mit unserem inzwischen leider schon verstorbenen Günter Huschle aus Sindelfingen, der ein exzellenter Geiger war und mir hervorragend zuarbeitete.

Die Initiative für das Studenten-Orchester kam somit aus der Verbindung SUEVIA heraus, Huschle wurde nach meinem Studienabschluss mein Nachfolger
in der Orchesterleitung und nach ihm sein Leibfux Siegfried Schmid.

Nach drei Stationen SUEVIA ging es dann mit der Leitung des Orchesters leider nicht mehr so recht weiter. Die Professoren Werner Tillmann und Sascha Magun konnte ich schon früh für das Orchester gewinnen. Sie suchten nun einen ständigen, kompetenten Dirigenten, den sie 1964 in Gerhard Saal glücklicherweise fanden.

Leider gibt es keine Listen von Absolventen mehr, aus denen ich lückenlos die richtigen Namen aller Orchestermitglieder hätte ermitteln können. Nur einige der Teilnehmer sind mir noch namentlich bekannt. So bin ich darauf angewiesen, aus der Erinnerung zu schöpfen.

Erste Ansätze
Mein Con-Semester im Studiengang Nachrichtentechnik, Otto Benz aus Heidenheim – 1958 AStA-Vorsitzender, kam eines Tages und berichtete über ein Gespräch mit dem Direktor der Staatl. Ingenieurschule Esslingen, Prof. Dr.-Ing. Karl Meerwarth. Er erzählte von der Idee Prof. Meerwarths, eine Ausstellung von Freizeitarbeiten Studierender zu veranstalten und die feierlich zu eröffnen. „Da könntest du doch spielen“ meinte Otto Benz mit eindeutigem Blick in meine Richtung. Zunächst dachte er nur an meine Geige, vielleicht auch an ein Klavier-Duo. Also, eine solistische Einlage mit einigen kleinen Stücken.

Das heutige Hochschulorchester unter der Leitung von Prof. Dr. Hans Martin Gündner (2)

Als begeisterter, engagierter Farbenstudent hatte ich zusammen mit Bundesbrüdern zur musikalischen Ausgestaltung festlicher Veranstaltungen meiner Verbindung musiziert. Daher waren mir die Schwierigkeiten, eine „solistische“ musikalische Begleitung nicht zur Beklemmung der Zuhörer werden zu lassen, durchaus bekannt. Machen wir uns nichts vor, als Folge mangelnder Übung waren wir alle nicht „so gut in Form“.

Ich zögerte bei der Vorstellung, als Solist aufzutreten, wurde aber allseits ermuntert, den Wunsch von Prof. Meerwarth irgendwie umzusetzen. Auf keinen Fall wollte ich dann aber allein auftreten. Stattdessen aber könne man das ja mit einem kleinen Ensemble mal probieren. „Machen wir einen Versuch!“, ließ ich Otto Benz wissen. Der erste Anstoß für „musikalische Umrahmungen durch Studierende am Stall“ war damit gegeben.

Allerdings, wenn wir schon Überlegungen zu diesem Thema anstellen, dann müsste man generell an ein musikalisches Ensemble für die feierliche Ausgestaltung aller festlichen, offiziellen Hochschul-Veranstaltungen denken. Ganz besonders aber an die geplante „Ausstellung der Freizeit-Arbeiten von Studierenden der Esslinger Ingenieurschule“.

Dieses kleine musikalische Ensemble nannten wir „Stall-Orchester“.

Eines war uns aber von vornherein klar, ein „Stall-Ensemble“ ins Leben zu rufen hat nur dann Sinn, wenn Kontinuität gewährleistet werden kann. Es muss gelingen, auch Professoren und Mitarbeiter der Ingenieurschule zu gewinnen. Studenten als „Anwesende auf Zeit“ stehen nach Abschluss ihres Studiums meist nicht mehr zur Verfügung. Wir mussten herausfinden, wer von den „Ortsansässigen“ spielt ein Instrument und musiziert aktiv. Wir wurden fündig,
drei Professoren kamen dafür in Frage: Professor Sascha Magun, Violine, Professor Dr. Willy Neuerburg, Querflöte, Professor Werner Tillman, Cello.

Die beiden Erstgenannten gaben mir erst mal einen Korb, oder anders ausgedrückt, die konnte ich im ersten Anlauf, im Stallorchester mitzuwirken, noch nicht überzeugen. Vermutlich deshalb, weil ich damals von Akquisition nichts verstand. Aber, welch ein Glücksfall, Professor Tillmann wollte es mit uns Studenten probieren, er ging das Wagnis ein und sagte zu!

Das Eis war gebrochen! Es war für uns alle allergrößter Ansporn und gab uns den erforderlichen „Kick“, wie man heutzutage sagen würde. Für mich war das sehr verpflichtend, es galt, alles daran zu setzen, Professor Tillmann nicht zu enttäuschen oder gar zu blamieren.


Die Gründung des „Stallorchesters“
Allerdings, eine Gründung im juristischen Sinn hat es nicht gegeben. Wir verstanden uns zunächst als ein „Freundeskreis-Orchester auf Zeit“, das sich auf gängige, hörbare, und durch uns Laien beherrschbare Klassik konzentriert.

Mit unermüdlichem Engagement konnten schließlich 25 musizierende Studierende am Esslinger Stall „zusammengetrommelt“ werden. Etwa die Hälfte war jedoch nicht bereit mitzuwirken oder noch nicht in der Lage, unserem musikalischen Profil zu entsprechen. Deshalb haben wir, wie jedes Unternehmen, ganz klein angefangen. Aus einer Keimzelle treuer Studien- und Musikfreunde wuchs dann schnell ein richtiges Orchester.


(1) © Mündl
(2) © Fotostudio KS Busch, Fellbach

Nach oben