60 Jahre Verein der Freunde an der Hochschule Esslingen - Ein Rückblick

Dipl.-Ing. (FH) Dipl.-Wirt.-Ing. (FH) Dietmar Ness
Vorsitzender Verein der Freunde der Hochschule Esslingen e.V.

Nach Ende des zweiten Weltkrieges und Freigabe durch die Besatzungsmächte und die UN-Hilfsorganisation UNRA, die die Gebäude von 1945 – 1948 genutzt hatten, stand die Staatliche Ingenieurschule Esslingen vor einem katastrophalen Nichts!

Zwar waren die baulichen Anlagen nahezu unbeschadet – das Inventar der Unterrichts- räume war aber beschädigt, die Lehrmittelsammlung, die Bibliothek, Laboreinrichtungen, sowie die Maschinen und Geräte waren aber ausgeräumt oder vernichtet. Dies war die Bilanz bei der Über- nahme; der geordnete Lehrbetrieb war nicht möglich. Eigene Mittel für den Wiederaufbau fehlten und vom Staat war in diesen schwierigen Zeiten auch nicht viel zu erwarten. Der damalige Direktor der Ingenieur- schule, Professor Georg Tafel wandte sich Mitte 1949 deshalb mit einem Hilferuf an die heimische Industrie, an Freunde und Gönner, ehemalige Absolventen in führenden Positionen. Einem kleinen Kreis aus ehemaligen Absolventen war es ein besonderes Anliegen, dem „Stall“ als ihrer früheren Bildungsstätte, die Ausbildung des qualifizierten Ingenieurnachwuchses entsprechend den Anforderungen des „Ingenieurweltstandards“ wieder zu ermöglichen.

Einer der Initiatoren war Dr.-Ing. E.h. Max Knorr, Absolvent der staatl. Ingenieurschule Esslingen und Vorstand der Fortuna-Werke, Stuttgart. Zusammen mit dem damaligen Direktor der staatl. Ingenieurschule, Professor Tafel, und u. a. dem neuen Prof. Dr.-Ing. Burkhardt von der Firma WMF, Fabrikleiter Ing. Spät von der Firma Robert Bosch, Fabrikant Dipl.-Ing. Möhrlin, MdL gründeten sie am 11. Juli 1949 den Verein der Freunde der staatlichen Ingenieurschule Esslingen. In kürzester Zeit schlossen sich über 150 Firmen und 200 Einzelmitglieder dem Verein an.

Zum Vorsitzenden des Vereins wählte die Gründungsversammlung Senator Dr.-Ing. E.h. Max Knorr, der den Verein von 1949 bis 1967 leitete.

Im ersten Jahresbericht 1950 führte Senator Max Knorr aus:

„Der Verein kann mit seinen Mitteln nur allmählich die Einrichtung der Laboratorien und Sammlungen ergänzen und verbessern und in bescheidenem Maße Studierenden des letzten Semesters helfen. Da aber in erster Linie die räumlichen Verhältnisse der Schule, die vor fast 40 Jahren für 200 Studierende erbaut und laufend mit 600 – 700 belegt ist, einer durchgreifenden Änderung bedürfen, wurde mit dem hierfür zuständigen württ.-badischen Kultministerium die Verbindung aufgenommen. Die Schule wurde gemeinsam von den Referenten des Ministeriums, dem Gewerbeaufsichtsamt und einigen sachverständigen Vereins- mitgliedern eingehend besichtigt. Der niederdrückende Eindruck, den diese Besichtigung hinterließ, führte zu einer Besprechung beim Herrn Kultminister, an der der Vorsitzende und der stellvertretende Vorsitzende des Vereins teilnahmen, und anschließend zur Ausarbeitung einer Denkschrift, die unser Verein beim Kultministerium einreichte.“

Zum 40. Geburtstag des VDF am 11. Juli 1989 hat der leider bereits verstorbene Dr.-Ing. Thomas Walker eine bemerkenswerte Laudatio über das Wirken des VDF gehalten, aus der ich gerne einige Passagen zitiere:

„In den Jahrbüchern der 50er-Jahre ist nachzulesen, wie wir mit staatlichen Stellen – Seite an Seite mit den führenden Männern der Schule – zusammenarbeiteten, die erdrückende Raumnot zu lindern. Dann sind wir für die praxisbezogene Ausbildung eingetreten und die Stimmen unserer Mitglieder hatten Gewicht. U. a. haben wir bei der Durchsetzung der Nachdiplomierung mitgewirkt. Und als 1984 die FH von dem verheerenden Explosionsunglück getroffen wurde, waren es nicht allein die Geld- und Sachspenden in Höhe einer halben Million DM, mit der wir unserer Schule helfen konnten, sondern auch die ideelle Unterstützung, die wir geben können.

Wir konnten immer etwas zum Wohle der Schule bei staatlichen Stellen erreichen, wenn wir mit Geld- und Sachspenden gewissermaßen in Vorleistung
traten, was ohne Zweifel Ansporn und Beispiel für staatliche Stellen war, Gleiches zu leisten. Das hat sich wieder einmal bewahrheitet, als andere Fachhochschulen jüngst aktiv wurden, in den Einzugs- und Wirkungsbereich unserer Fachhochschule einzudringen und sich mit einer Außenstelle im oberen Filstal ansiedeln wollten.

Unser Verein sicherte die Zahlung von einer Million DM im Laufe der nächsten Jahre zu, wenn in Göppingen, also im Filstal, auch Institute der FH-Esslingen eingerichtet werden. Enge Zusammenarbeit mit der Stadt Göppingen und guter
Kontakt zu staatlichen Stellen machten es möglich, dass nach nur einem Jahr Aufbauarbeit in großzügigen Räumen der Lehrbetrieb schon lief. Einen Scheck über DM 250.000,– hat unser Verein der FH überreicht und hat damit den staatlichen Institutionen wieder ein Zeichen gesetzt, ihren Pflichten für Unterhalt
und Ausstattung in Göppingen nun nachzukommen. Das sicherzustellen, wird uns in den kommenden Jahren noch fordern. Die Studiengänge ‚Maschinenbau/
Fertigungssysteme‘ und ‚Mikroelektronik/Mikromechanik‘ sind für unsere Wirtschaft von größter Bedeutung und Investitionen in Ausrüstung und Laboratorien werden sich bald auszahlen. (…)

Das Chaos nach dem zweiten Weltkrieg rief die Freunde der Esslinger Ingenieurschule zur Hilfe und zum Zusammenhalt auf. Das Chaos ist längst überwunden und dennoch braucht unsere Fachhochschule mehr denn je einen starken Freundeskreis an ihrer Seite. Unser Land ist arm an natürlichen Ressourcen und kann im internationalen Wettbewerb nur noch bestehen, wenn es reich an Wissen und Können ist. Der Wettlauf wird immer schneller und schneller. Die Innnovation in der Technik steigert sich von Jahr zu Jahr und
die Ausbildung und die Mittel dazu müssen Schritt halten. Es bedarf großer Anstrengungen, um mitzuhalten oder gar einen Vorsprung zu halten.

Und so endet die Laudatio auf 40 Jahre Verein der Freunde der Fachhochschule Esslingen mit einem Appell an alle Absolventen der Schule, sich für den Fortbestand der qualifizierten Ausbildung an ihrer Schule einzusetzen. Ein noch eindringlicherer Appell ergeht an die Unternehmen des Landes, das Gebot der Stunde zu erkennen und in die Ausbildung zu investieren. Die Zahl der Einzelmitglieder ist über die Jahre ständig gestiegen, die Zahl der Firmen hingegen nicht. Das ist nicht zu verstehen, denn Firmen sind in erster Linie
die Nutznießer der Leistungen an der Fachhochschule für Technik in Esslingen.“

Unser geschätzter Senator E.h. Dipl.-Ing. (FH) Ewald Kübler führte zur Mitgliederversammlung im April 1992 aus: „Unsere Mitgliederversammlung findet zu einem Zeitpunkt statt, wo wir im vereinten Bundesgebiet unser Augenmerk besonders Richtung ‚Osten‘ wenden müssen. Hoffen wir, dass die eingeleitete Abrüstungspolitik Kapital für Investitionen freisetzt. Für mich bedeutet die wichtigste Investition nach wie vor eine praxisorientierte Ingenieurausbildung, mit der wir an der FHTE bis jetzt sehr gut gefahren sind. Das hilft aber nicht darüber hinweg, Schwachstellen, wo sie auch auftreten, zu beseitigen und stets konstruktive Hinweise zu geben. Daher hat der Vorstand und Beirat des Vereins der Freunde der FHTE, die von mir vor 14 Jahren eingeleitete Strategie, Sitzungen in befreundeten Unternehmen abzuhalten, konsequent fortgesetzt. Wir bekommen dort jeweils Einblick in Unternehmenspolitik, Forschung, Entwicklung, Konstruktion und Fertigung, was für die Fachbereiche eine besondere Hilfe darstellt. Viele zusätzliche Kontakte werden über die Lehrbeauftragten und Praxissemesterplätze geschaffen. Hierfür möchte ich mich besonders bei unseren Mitgliedsfirmen bedanken.“

Sein Nachfolger, Senator E.h. Dipl.-Ing. (FH) Heinz Illi führte 1998 aus:

„Unsere 36. Mitgliederversammlung findet in einer Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs statt. Der Aufschwung wird aber nicht durch die Binnennachfrage, sondern durch den Export getragen. Dafür ist es notwendig, neue Märkte mit wettbewerbsfähigen Produkten zu erschließen.

Nachdem in allen Industriebranchen eine Prozessreorganisation stattgefunden hat und nahezu abgeschlossen ist, heißt die neue Devise Globalisierung, d. h. um zu wachsen – und Wachstum ist in der Industrie unabdingbar – müssen unsere Produkte weltweit an den Mann gebracht werden. Dazu braucht unsere Wirtschaft Lobbyisten im Ausland. Wer könnte dies besser bewerkstelligen als ausländische Führungskräfte, die in Deutschland studiert haben.

Eine vorbildliche Antwort auf die Globalisierung ist deshalb die Einrichtung eines Studiengangs ‚International Industrial Management‘ mit dem Abschluss eines ‚Master of Business Administration (MBA)‘, made in Esslingen, zu werten. – Herzliche Gratulation an die Hochschule! Da die benötigten Geldmittel vom Staat nicht bereitgestellt werden, wird der VDF dieses Projekt mit 100 TDM im ersten Jahr unterstützen.“

Mit der Fusion der beiden Esslinger Fachhochschulen – Fachhochschule für Technik und Fachhochschule für Sozialwesen – zur Hochschule Esslingen am 1.10.2006, wurde der Name unseres Vereins auf der Mitgliederversammlung 2007 ebenfalls geändert. Der Verein trägt jetzt den Namen:

„Verein der Freunde der Hochschule Esslingen e.V.“

Der Verein vereint heute die Freunde und Förderer beider ehemaligen  Fachhochschulen. Der Verein der Freunde der Hochschule für Sozialwesen hat sich zwischenzeitlich aufgelöst. Die Mitglieder sind dem VDF beigetreten und das Vereinsvermögen wurde übertragen. Aus dem ehemaligen Vorstand des Vereins konnte eine Beirätin für den VDF gewonnen werden und der gemeinsame Förderverein unterstützt Projekte aus allen Fakultäten.

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